Typisches Beispiel für Reklamationen beim Bauen
durch Unkenntnis und Versäumnis:

Das Geschäftshaus des Kunden Sommerfeld ist im Rohbau fertiggestellt und es geht an die Auswahl des Fußbodens für das exklusiv geplante Ambiente.

Herr Sommerfeld beauftragt den Fliesenhändler Grüning mit der Lieferung von insgesamt 435 m2 hochpreisigem italienischen Marmor mit ausgefallener Musterung. Dieser Marmor hatte ihm in der Ausstellung des Hauses Grüning besonders gefallen. Die Verlegung wurde zum Festpreis gleich mitvereinbart und ein Endtermin zur Fertigstellung gesetzt, damit der Bezug der neuen Geschäftsräume und der Eröffnungstermin ohne Verzögerung erfolgen könne.

Der Marmor wurde zwar spät geliefert, zur Einhaltung des Termins aber in Wochenend- und Nachtschichten planmäßig verlegt.

Der Schreck: Herr Sommerfeld fiel bei der Besichtigung aus allen Wolken. Das Muster im Marmor war nicht so wie in der Ausstellung gesehen.

Er setzte voller Wut den Fliesenbetrieb Grüning in Verzug mit der Auflage, alles wieder herauszureißen und den Marmor mit dem gewünschten Muster neu zu verlegen. Er sollte außerdem den Verdienstausfall für die sich nun verspätende Geschäftseröffnung tragen.
Die Forderung war beträchtlich und für Herrn Grüning unerfüllbar.

Herr Grüning weigerte sich und der Streit eskalierte soweit, dass außer wüsten Drohungen und Beschimpfungen keine Lösung des Problems zustande kam. Der Fliesenleger sah seine Existenz gefährdet und wandte sich an die Handwerkskammer, die ihn auf die Möglichkeit einer Wirtschaftsmediation aufmerksam machte. Er ließ sich dazu überreden, doch wirklich überzeugt war er zunächst nicht davon.
Auch Herr Sommerfeld willigte nur mürrisch ein.

Doch alles kam anders als erwartet. Der Mediator erkannte schnell, was passiert war. Dem Käufer war nicht bewußt, dass es sich bei Marmor um ein Naturprodukt handelt, was niemals gleich ist. Der Verkäufer hatte diese Kenntnis aber als normal vorausgesetzt und nicht weiter angesprochen. Durch die große Menge des bezogenen Materials war es schlicht unmöglich, eine gleichbleibende Musterung zu bekommen.

Auch der Käufer sah das schließlich ein, beharrte aber auf Entschädigung wegen der aus seiner Sicht schlechten Beratung. In den folgenden Gesprächen verstand es der Mediator, eine Sensibilität dafür zu wecken, dass ja gerade die Einmaligkeit jedes Quadratmeters dieses Marmors das besondere Ambiente ausmacht.
Zwar passte die beabsichtigte moderne Einrichtung der geplanten Räume gar nicht mehr dazu, doch durch den Einsatz von entsprechenden Dekostoffen sollte ein neues Flair entstehen.

Schließlich einigte man sich soweit, dass der Fliesenhändler sich zu 1/3 an den Kosten der Dekostoffe beteiligte. Heute pflegt man eine gute Geschäftsbeziehung und Herr Grüning hat durch Empfehlungen von Herrn Sommerfeld bereits mehrere Aufträge bekommen.

Das Ambiente der Geschäftsräume wird allgemein bewundert.